Das Geschenk von Spaltungen,

Trennungen und Brüchen

Vor zehn Jahren habe ich eine Zeit lang das japanische „Kire“ studiert. „Kire“ bezeichnet den "Schnitt", auch den „Bruch“, die „Spaltung“ in der Ästhetik der japanischen Kultur, die sich bis heute im alltäglichen Leben erkennen lässt - etwa die Eßstäbchen, aus einem Zweig gebrochen erfüllen sie sich in der gemeinsamen Nahrungsaufnahme.

 

Auch „Kintsugi“, die sogenannte „Goldreparatur“, empfinde ich als einen Teil dieses Feldes. Hierbei werden Scherben mittels hinterher sichtbaren Harzen wieder zusammengeflickt. Die Narben und Reparaturen sollen hierbei bewusst sichtbar bleiben. Allerdings nicht als bloßes Flickwerk, sondern als Ausdruck einer auf diese Weise entdeckten und frei erfundenen Schönheit, einer natürlichen Tiefe, die in den Spalten und Brüchen erst das Ganze sichtbar macht.

 

Sicher gibt es Methoden sie zu verschleiern, sie gar unsichtbar zu machen, das heißt unbewusst zu lassen. Doch entwickelt sich ja gerade über sie erst ein vollkommen neues Bewusstsein. Damit ist nicht bloß das Ästhetische gemeint, sondern die Poesie des Lebens selbst. Wer also die Spaltung einer Gesellschaft befürchtet, aus welchen Gründen auch immer, in welche Wege auch immer, wird sie als natürlichen Prozess kosmischer Offenbarungsdynamik und universeller Wandlungsenergie noch weniger aufhalten können. Im Gegenteil, damit erhöht sich der Druck, bis er explodiert oder implodiert. Wer das begreift, der brauch kein Feuerwerk, weil er selbst der Knaller ist; ein göttlicher Funke, der gleich einem Vulkan, seine Funken leuchten lässt am Himmel, und dessen Feuer, die eigene Sphäre flutet, wie Wasser. Entsprechend bleibt im gewaltigen Spiel dieser Elemente nichts, wie's war, doch baut sich mit dieser elementaren Flut, in der sich scheinbare Gegensätze vereinen, eine ganze neue Weltmacht auf, nicht draußen, sondern im eigenen Wesen, das von hier aus wirkt. Es ist das Verständnis der Versöhnung, als göttliches Kind, das erwachsen geworden ist, in seiner Suche nach dem Göttlichen, weil es nicht mehr dort sucht, wo es war, sondern wo es ist, in der Zweiheit, am Ursprung des Anfangs, wo Himmel und Erde erschaffen werden und das Licht erscheint, zum allerersten Mal und immer wieder neu, das All erneuernd. Es ist der persönliche, individuelle Weg ins göttliche Reich, das mit mir, als Polaritätswesen gebündelter kosmischer Liebesmacht, das Erdreich und Himmelreich in sich verbindet, ganz körperlich, in jedem Wort, dass durch mich wirkt, mit jedem Pups und Atemzug. 

Die Praxis der Kunstform des „Kintsugi“ für den Werdungsprozess des göttlichen Menschen verinnerlicht, heißt, auch hier entsteht durch Brüche des Bewusstseins selbst sichtbares Glück. Scherben, jene Glücksbringer, werden hierbei zu einem ganzen Werk innig zusammengefasst - die Harze, der goldene Kitt, sie zeigen sich erkenntlich. Und sie sind für mich das Herz, das in Liebe erkennt, dass sich über Adern, wie auf Hauptstraßen sichtbar verteilt, im Bewusstsein der eigenen Welt und damit gleichsam ganz körperlich.

 

In Zeiten, in denen viele Leute von Solidarität reden, von christlicher Nächstenliebe, und in der trotzdem große Verwirrung herrscht, soll an dieser Stelle angemerkt sein: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren.“ Diesen Satz Jesus im Johannesevangelium 14,1 zu seinen Freunden. Jesus hat die Christussaat gepflanzt, nicht weil er der Einzige war und sein wird, sondern damit sie aufgehen kann im Bewusstseins eines Menschen selbst, in der Liebe eines Menschen zu sich selbst. Er hat sich nicht für andere hingegeben, sondern für das Andere in sich. Die Nächstenliebe, die er meinte, erwächst aus der Liebe zum Nächsten, sprich dem Göttlichen, in sich selbst.

 

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Der Bruch ist der Wendebereich, hin zum Nächsten, zum ganz Anderen in mir, die Spalte ist der Ort, in dem ich in der Weite meines göttlichen Wesens wurzle, so tief, wie hoch; es ist der Ort der Versöhnung, der alles neu denkt und fühlt und macht. Es ist das irdische Bewusstsein einer neuen Erde, die selbst schon längst im Himmel ist, ein Teil des Alls.

Die Trennung ist somit das Leben selbst, weil es ohne sie kein Leben gibt. Es ist vielleicht auch ein unerkanntes Zeichen der Liebesmacht an sich, dass wer sich gegen Spaltung ausspricht, überhaupt noch atmet und sprechen kann und nicht erstickt ist.

Denn die Spaltung ist wesentlich für die Atmung, etwa in der Atemwende; und wenn das Herz schlägt.

 

So offenbart das Harz, wie bei einer Narbe, die Spur des Wendebereichs, der ich folge. Sie lässt die einzelnen Teile nicht bloß als Ganzes wiedererkennen; sondern als neues Land, eine neue Welt, beweglich, leuchtend und leicht, mit der ich mich selbst bewege, weil ich bewegt bin, sehend und leicht, gehend und schwebend, so wie Sterne im All.

 

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Das japanische Zeichen "Ki" (Zahlenwert: 20, so wie ICH), so wie es sich darstellt in den Worten "Kire", in "Kintsugi", aber auch im deutschen "Kitt", weist in seinem Zeichen auf den Baum, auf den Stamm und die Wurzel:

 

Im Chinesischen ist es als Schriftzeichen das bekannte "Qi" (Ebenfalls Zahlenwert: 20, so wie ICH) oder auch "Chi", und hat in seiner ursprünglichen Bildlichkeit dieselbe Bedeutung. Es weist hierbei auch auf Bedeutungsfelder wie "Atem" und "Lebenskraft" oder "Pneuma" und "Fluidum".

Das "Qi" ist in China Fundament für viele Lehren, die darauf fußen, etwa die Bewegungsweise des "Qi Gong". Auch in ihm zeigt sich die Wurzel und der Stamm eines Baumes. Wobei die Analogie auch hier zum Menschen interessant ist, der, fest und stark, wie ein Baumstamm, in seinem eigenen Wesen wurzelt:

 

Es ist die frohe Botschaft der Worte und Zahlen selbst, die sich dem aufmerksamen Betrachter als wirksames Zusammenspiel von Zeichen und Zahlen und Zeitgeist eröffnet und immer wieder neue Perspektigen ermöglichen, dieses ewig Neue ist der Grund, warum der „Menschensohn“ nirgendwo zur Ruhe kommt und sein „Haupt niederlegen“ kann, weil er tatsächlich vorübergehend ist, niemals verloren, im Gegenteil. Der Mensch ist das Wesen, dessen Bestimmung spätestens mit dem Jahr 2021 und 2022 jene ist, nämlich den Sieg des göttlichen Bewusstseins innig zu feiern, und mit ihm die Worte und die Zahlen, die durch ihn wirken.

Mit Blick auf die obigen Beispiele, so ist etwa im Büchlein "Daodejing" von Laotse ein Kapitel dem "Chi" gewidmet, und zwar das 42. (20+22). Im griechischen gibt es das "Chi" ja auch, als 22. Buchstabe. Es ist in unserm gebräuchlichen Alphabet das X - die 24 (20+2+2), aus ontologisch-mathematischer Sicht die Lichtgeburt im Körper!

 

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Vergangene Woche habe ich etwas beim Spielen mit dem Pentagramm entdeckt, das mit seiner Struktur als 5-Stern für den Menschen steht. Als ich an die äußersten Strahlen ein Hexagramm zeichnete, also einen 6-Stern, ergab sich so ein Zeichen im Zentrum, das einer Rune ähnelt, die für mich die soeben beschriebene Kräfte bündelt, und wie eine Quelle im Zentrum des eigenen Stern fließen lässt, als Atem, als Lebenskraft, die Kraft, auf die auch das „Chi“ weist, nämlich jene ewig sprudelnde Quelle jeder Bewegung im Universum, inmitten des eigenen Wesens, als Mensch, als Stern.

 

So zeigt sich mit dem kleinen Blick auf die obigen Beispiel schön, wie Nord und Süd und Ost und West zusammenfinden, wie oben und unten und links und rechts sich einen, im Menschen, in mir; wie alle Schnitte und Spalten und Brüche des Bewusstseins selbst, gleichsam selbst, das goldene Harz, als Blut der Bäume benötigen, den Ausdruck des menschlichen Herzens, das den Kitt bewirkt, den Weg des Wandels, die Wurzel eines, sprich meines neuen ICH, das es in sich hat, nämlich die "Immanente Elektrizität". Auf nichts anderes weist das "Elektron", wortwörtlich der "Bernstein" hin - das goldene Harz jener uralten Bäume, das goldene Herz im Zentrum meines Wesens, strahlend und leuchtend, nicht mehr wertvoll, nicht weniger wertvoll als jedes andere Wesen auch, wurzelnd in mir, ein lebendiger Stern auf Erden...

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