Der Felsensatz und das Lächeln
der in ihrer Unbewegtheit
allmächtigen Masse

 

 

 

Am Montagmorgen, gleich zu Beginn der Karwoche, der 13. Woche im Jahr 2021, wachte ich auf und mir kam ein Satz auf, wie er im Matthäusevangelium in der Bibel steht und zwar im Kapitel 16, der 18. Vers, der Felsensatz:
„Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.“
Das sagte Jesus Christus zu Simon Petrus in Caesarea Philippi, etwa 50 Kilometer nördlich vom See Genezareth, dem heutigen Banyas, wo in der Nähe einer der drei Quellflüsse des Jordans entspringt. Vielleicht standen die Zwei an jenem Fluss, vielleicht pieselten sie sogar gerade hinein; Petrus und Christus, der Gesalbte, vom griechischen Wort Christos stammend, das eine Übersetzung vom Hebräischen Messias ist, ausgesprochen klingend: Maschiach.
„Maschiach! Maschiach“, so haben jene, die in Jesus den prophezeiten Erlöser sahen, oft gerufen. Vielleicht klang es dann etwa in Jerusalem oder an einem der kleinen Orte am See Genezareth, wo Jesus viel unterwegs war, ein bisschen, wie wenn heute Leute auf den Demos etwas rufen, wie Freiheit oder Frieden.
Ob die Leute damals, wie heute, wenn sie nach einer Begegnung mit Jesus oder von einer Demo abends im Dunkeln heimkommen der Stille lauschen? Vielleicht fühlen sie dann in der dunklen Stille, dass sie die Freiheit sind und der Frieden, der Erlöser, innig und leibhaftig?
Es ist ein Kraftfeld, das in einem ist, frei und friedvoll und erlöst, sprich unabhängig von äußeren Kraftfeldern; wie ein Magnet, in dessen Nähe sich Gefühle, Gedanken, sogar die Genetik auf Zellebene, wie kleine Metallsplitter, auf natürliche Weise ordnen und zu einem Muster arrangieren, dem ureigenen Muster, ständig und beweglich, sich selbst vitalisierend und erneuernd.

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Christus also, der Gesalbte, weiters der Name Petrus, er stammt von Pétros. Das bedeutet im Griechischen Fels und Stein.
Das Wort Kirche stammt vom griechischen kyriakon, für Gotteshaus. Im Altenglischen hat es sich zum Wort church über das Wort circe weiterentwickelt, das ausgesprochen so klingt: Srce. Und srce im Kroatischen heißt: Herz.

So lautet der Felsensatz spielerisch übersetzt beispielsweise:

Der Gesalbte erzählt dem Felsen von seinem Herz.

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Vor dem Hintergrund, dass die Führer der katholischen Kirche mit Sitz in Rom, dem Stuhl Petri, ihren in Zeiten des Machtwechsels zerbröselnden Primatanspruch immer noch auf den Felsensatz gründen, ist die Bedeutung des Wortes Roma in der traditionellen Sprache der Roma interessant, nämlich einfach der Mensch. Das ist ein Hinweis darauf, dass sich nicht nur der Tempel in Jerusalem niederreißen lässt und in drei Tagen wieder aufbauen, auch der Petersdom. Hier sei mit Blick auf den Zeitgeist auch an den Code des Heilungswegs aus der Ontologischen Mathematik (vgl. Youtube-Video "Ingrid Raßelenberg: Unser Heilsweg 3-6-21") erinnert, der sich über die Potenzialreihe von 3 - 6 (1+2+3) - 21 (1+2+3+4+5+6) entfaltet, wie die Erfahrungen und Erkenntnisse aus der 3D-Welt, die sich jetzt um 180 Grad nach innen wenden und als Wirkmächte des Geistseelenselbst wirklichen, sozusagen als die Baumeisterinnen des inneren Tempels, kein Bauwerk für die Ewigkeit, vielmehr eins, das bleibt, weil es immer schon da ist.

 

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Im Frühling und Sommer 2011 lebte ich einige Monate in Rom und war oft spazieren im Vatikan. Im Petersdom gefiel es mir mit meinen Sandalen mit glatter Sohle über die blankgeputzten Fliesen zu schlittern, wie über eine Eisbahn. Die Fliesen waren manchmal zu kunstvollen Zeichen gelegt, überall standen Worte. Interessant waren auch ein paar tote Päpste, die mich an Schneewittchen erinnerten, kurz nach dem sie in einen giftigen Apfel gebissen und von den Sieben Zwergen in einem gläsernen Sarg auf einem Berg aufgebahrt wurde - nur dass ich mir Schneewittchen mit ihren schwarzen Haaren viel schöner vorstellte, als diese alten Männer mit ihren Mitren auf der Stirn.

Hier und da im Inneren des Doms lugten Gullideckel im Boden, deren Schlitze den Blick in schwach beleuchtete Gänge erlaubten, in Flure, wie im Labyrinth des Minotaurus, oder einem anderen Ungeheuer, in jedem Fall eine ungeheure Kraft, dunkel und lebendig, nass und schmierig, Attribute eines Fundaments, von dem in diesem Gebäude lieber niemand sprach. Während die meisten Menschen sich die Gemälde anschauten, die Statuen, was ich auch tat, denn ich fand sie teils sehr schön, lag für mich die Großartigkeit dieses Gebäude, verborgen in diesem Keller, der Schatz in der Tiefe.

So blieb von meinen Spaziergängen hinterher stets etwas Kleines und Stilles über von dem, was ich wahrnahm, innerlich, ein weites und erfüllendes Lächeln.
Als hätte ich auf dem Heimweg jedes Mal, den Petersdom zerschmettert, abgerissen.
Denn die wesentliche Info geht nie verloren, was bleibt, ist jederzeit grundlegend aufbauend, eine fröhliche Botschaft, die jeder Mensch ist, das menschliche Wesen, als Freude, die sich im vitalen Kreislauf ständiger Krafterneuerung aufbaut.

Ein Grund, warum irgendwann die in das Leben integrierten Qualitäten zerstörerischer Aspekte bewusst und jegliche Kriege überflüssig gewesen sein werden.

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Der Balsam, mit dem eine der Marien, nämlich Maria aus Migdal, also Maria Magdalena, Jesus damals salbte, vielleicht ein kostbares Öl, vielleicht einfach Wasser – ihre Hände, die sie kurz eintaucht in ein Schälchen aus hellem, nach Stein und Salz duftendem Ton, und dann damit seine Füße wäscht, und mit zwei Fingern die Lider seiner zuen Augen benetzt, über seine Stirn und das Haar streichelt –, war auch Balsam für die Seele, die Salbe, als Erinnerung, dass der Balsam auch die Seele selbst ist, königlich, königinnerlich, intim, ganz beisammen: Erlöserin und Erlöser.
Eine Initiation, die als geheimnisvolle Geschichte erscheint, die wir uns zu eigen machen können, als Wirkmacht des Bewusstseins; eine Geschichte also, die ich selbst bin. Wir alle sind gesalbte Königskinder, königinnerlich und einzigartig – der eigene Körper, mein eigenes Blut und Fleisch, wo alles sich eint, da wurzelt mein Sein.
Und wo mein Herz und meine Seele, als ein Herz und eine Seele sprechen: Ich bin sicher und geborgen! Aus dieser Perspektive öffnet der Felsensatz von Jesus die Manifestationsmacht des sich selbst bewusstwerdenden Göttlichen Bewusstseins im Menschen, als erfüllende Botschaft: ICH BIN DAS BIN ICH. 
Wir alle sind so gesehen gesalbte Königskinder, königinnerlich und einzigartig – der eigene Körper, mein eigenes Blut und Fleisch, wo alles sich eint, da wurzelt mein Sein, mein göttliches Selbst-Bewusst-Sein; wo mein Herz und meine Seele, als ein Herz und eine Seele sprechen: Ich bin sicher und geborgen.

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Die Neugeburt! Liegend im Bett, den Kopf in einer Handschale, die andere Hand am Herzen, dann, langsames Aufgehen der Augen, dann, ein erster Schritt, langsam, und noch einer, die frei Sicht, die Einsicht in das, was ich bin, ganz neu, neuer Morgen.
Kein Schild, keine Regeln, nichts und niemand im Außen, der mich erlöst, mich hält, mir Freiheit und Freunde schenkt. Nur zutiefst und höchstselbst meine eigenartige Weise; meine Stimme, die der Gedanken, in meiner eigenen Art als Teil des Göttlichen zu fühlen, zu denken und zu wirken: Licht, Liebe und Macht! Aufstehen und eingehen in den neuen Tag.
Ich gehe ein, ruft der alte Mensch, ich gehe ein, ruft der Neue.

So brauch es keinen Artenschutz, keinen Naturschutz, keinen Verfassungsschutz, nicht mal Nachhaltigkeit. Die Evolution des Göttlichen ist unaufhaltbar, die innere Stimme, die seelische Substanz, liebevoll, stark, die in mir nachhallt, ganz körperlich, ein schwingender und klingender Resonanzraum.
Eine neue Spezies, mit einem Namen, den es vielleicht noch gar nicht gibt? Ich weiß es nicht. Sicher ist es ein ganz neues Verständnis, bewusst und bewegt, darüber was der Mensch wirklich ist, was ein einzelner Mensch wirklich ist, was ich bin; was ein Wort, wie Homo, bedeuten mag, nicht als Homo irgendwas, einfach so:

Homo.

Wenn ich das Wort ganz langsam und sanft ausspreche, klingt es wohl und innig, wie eine Massage für den Schädel und die Augenhöhle, vor allem wegen des M, dem 13. und einzigen Buchstaben im lateinischen Alphabet, bei dem die Lippen sich nicht öffnen, wenn man ihn ausspricht.
Homo, mit dem Om in der Mitte erinnert an die Initialen der Ontologischen Mathematik, der Wissenschaft, die das Wesen der Zahlen erklärt, und an die dem tiefen durchdringenden Laut des Schneckenhorns nachempfundene heilige Silbe östlicher Kulturen.

So klingt das Om, der Urlaut, das sogenannte formlose Brahman, der die unpersönliche Weltenseele repräsentiert, dann doch ganz persönlich. Eben weil es ja in mir klingt und durch meine eigene Stimme, die ich klingen höre; formlos bin ich entsprechend auch nicht, sondern ganz in Form.

Weiters reimt sich Homo auf Momo, das Mädchen aus dem gleichnamigen Roman von Michael Ende, die eine abgetragene Männerjacke und einen bunten Flickenrock an hat und in einem Amphitheater am Rande von Rom lebt.

Die Geschichte ist ein Gruß von Michael Ende an die Ewige Stadt, in der viele Jahre seines Lebens wohnte. Seine Erzählung ist auch eine über das Ende der Erfahrungswelt einer 3D-Bewusstseinsprägung, für die die Ewigkeit mit ihren transpersonalen und transchronalen Qualitäten im Grunde eine Bedrohung darstellt, weil sie einfach nicht denkbar ist auf dem Niveau linearer Abfolgen. Diese Welt in ihrer Agonie und in ihren letzten Zügen repräsentieren die Grauen Männer, die als Zeitdiebe und Verwalter einer vorübergehenden Außenmacht die letzten Züge aus ihren Zigarrenstummeln ziehen, um sich mit der letzten Wolke, die sie auspusten, nicht bloß aufzulösen, sondern selbst erlöst sind.
Der letzte Satz, des letzten Grauen Mannes, der überbleibt, ist darum ein Lächeln, mit dem er Momo anschaut. Und gar nicht mehr außer Puste schaut er sie an und sagt: „Es ist gut, alles vorbei!“

Das zeigt, dass er sich freut, das seine Zeit, also die Zeit des Grauen Mannes vorbei ist. 

Diese Freude über die Zeitzyklen und Entwicklungsschritte ist schon zu Beginn des Buches angedeutet, wenn Beppo, der Straßenkehrer, zu seiner Freundin Momo sagt, dass wenn man etwas aus Freude tut, so wie er, zum Beispiel beim Kehren, Strich für Strich, Schritt und Schritt, dann kommt man gar nicht außer Puste.

Michael Ende hat seine Heldin Momo nicht mit irgendwas Besonderem ausgestattet, einem heldenhaften Werkzeug, einem Lichtpanzer oder sonst was, sondern einfach mit wunderbaren Freunden, die gerne ein Weilchen mit ihr zusammen sind, und mit der ihr eigenen freien Sicht.

Michael Ende hatte die Erzählung lange ruhe lassen, bevor er sie fertig stellte, die Idee für's Fortschreibenkam ihm eines Morgens beim Frühstück mit seiner Frau. Er rief: „Jetzt hab ich es! Es ist ganz einfach: Zeit stehlen kann man nur demjenigen, der Zeit spart, denn jemand, durch den die Zeit sozusagen immer hindurchfließt, der seine Zeit nicht festzuhalten versucht, der hat ja gar keine, die man ihm stehlen kann, da ist nichts zu stehlen.“

Momo bekämpft oder bestiehlt die Grauen Männer nicht. Das tun sie nur untereinander. Sie ist einfach da und meistert diese Phase, weil sie einfach da ist. So erinnert sie auch an eine Mathematikerin, die die Wirkmächte der Zeit und der Zahlen erkennt und darum auch kein Konto brauch bei der Zeitsparkasse der Grauen Herren. Sie sieht den Zeitgeist des Bunkerns und Sparens zu Ende gehen, auch wenn sie, wie’s zu Beginn der Geschichte heißt, gar nicht zählen kann. Sie kennt die Zahlen, sie erkennt sie in ihrer schöpferischen Wirkmacht.
So ist der Weg, den Momo mit all den anderen Figuren geht, auch ein Ausdruck für die erfüllende Erkenntnis der schöpferischen Kraft, die sich in Zeit und Raum entfaltet und ausdehnt und selbst erfährt.

Das Om in der Mitte des Namens Momo ist so auch interessant vor dem Hintergrund, dass die Worte Homo und Roma beide Mensch bedeuten.

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Zurück zum Felsensatz: Ein paar Verse später sind Petrus und Jesus für einen Moment wie Gegenspieler beschrieben, ähnlich wie auch in den apokryphen Schriften der Pistis Sophia oder dem Evangelium der Maria.

Im Matthäusevangelium fühlt sich Jesus provoziert durch Petrus und dessen Furcht vor dem Leidensweg und dem Geheimnis der Auferstehung, also dem, was Jesus in Jerusalem auf sich zukommen sieht. So entgegnet Petrus auf den Ausblick auf die Geschehnisse in Jerusalem im 22. Vers von Kapitel 16: „Das soll Gott verhüten! Das darf nicht mit dir geschehen!“ Jesus ärgert sich daraufhin und schreit Petrus an: „Du Satan!“

Hier offenbart sich der Leibhaftige auch in und durch Jesus. Und es ist spannend zu bemerken, dass Christus in verschiedenen Kulturen, als der Bruder des Teufels beschrieben wird; auch Pontius Pilatus, als Machthabender Statthalter in Jüdäa, der das Urteil der Kreuzigung spricht, wurde etwa in älteren christlichen Traditionen Ägyptens, als Heiliger, verehrt.
Wozu diese Infos dienen? Der Kommunikation darüber, wie sich eines integralen Bewusstsein anfühlt, das in der Lage ist, die „Unwissenden“, die „Mörder“, die „Verräter“ der Geschichte, nicht nur wahrzunehmen, sondern sie im Jubel darüber, dass das Alte entwickelt ist, zu feiern, kein Christus gegen Antichrist, sondern Christus und Antichrist, kein Tod gegen Leben, sondern ein einendes Bewusstsein, sprich eine völlig andere Art von Menschlichkeit.

Jesus ahnt im Vertrauen auf seinen Weg, was ihn in Jerusalem erwartet. Wirkt sein Ausflippen, in dem er Petrus beschimpft, auch unsicher, weiß er, dass sich nur durch seine Hingabe die Gegenwart einer völlig anderen Lebensart bestätigen kann, als ein Mitgefühl, als Mit-dem-Göttlichen-fühlen, Mitgefühl, das nicht zerstört, nicht mal die Zerstörung, und deshalb kann es selbst auch nicht zerstört werden, ganz körperlich. Petrus kapierte das nicht, und Jesus selbst hatte es da ja auch noch nicht durchdrungen; wie auch, es war ja noch nicht geschehen. Doch in diesem Moment spürte er es, darum schrie er Petrus auch an, durchaus im Bewusstsein, dass was man sagt, auch selber ist.

Es stellt sich darum nicht die Frage, irgendwelche Schäden mit irgendwelchen Maßnahmen oder Reaktionen auf ein Minimum zu reduzieren. Das wirklich Wesentliche, das Göttliche, das sich vollbringt, und voll da ist, kann gar keinen Schaden nehmen. Darum ist im Grunde auch jedes „Bleib gesund“ überflüssig, einfach weil es Konzepte wie gesund und krank, leben und tot, gut und böse nicht mehr brauch auf dem eigenen Erfahrungsweg; nur ein, „es ist vollbracht“, oder wie die Grauen Männer in Momo sagen: „Es ist gut, alles vorbei!“ Und dann tut nichts mehr weh, vielleicht zwischendurch mal ein kleiner Muskelkater, ein Wunde, wie eine Tür, wie ein: Grüß Dich!

Vielleicht ist also die Auferstehung nicht mal ein Wunder, sondern etwas Natürliches, etwas jenseits der bisher bekannten physikalischen Gesetze, das trotzdem geschieht, eben weil es die Natur ist, dass nur Wenige daran denken.

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„Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.“

Verinnerliche ich den Felsensatz und mache ihn mir zu eigen mit all seinen Qualitäten des Sprechenden, des Angesprochenen, als klingender und schwingender Spruch selbst, lasst sich das Tönen  etwa so beschreiben: Mein geistseelischer Wesenskern spricht mit der Stimme des Gesalbten, der das Bauvorhaben ausspricht, wie ich selbst, ist der Bauplan ein Teil des Christusbewusstseins.

Der Fels ist die Metapher für die Materie, die Masse der Zellen, die einen, meinen Körper, bilden, Petrus selbst, als Mensch, ist ebenfalls eine lebendige Metapher, etwa für die 3D-Prägung, die sich auf diesem Niveau erstmal nichts anderes vorstellen kann, als ein schmerzliches Ende, wie ein Verliebter, der denkt, wenn er geht, ist alles vorbei. Was natürlich stimmt, weil durch die Auferstehungsgeschehnisse die Zeit der 3D-Prägung vorbei geht. Jesus, der Petrus als Satan schimpft, als Unwissenden, der nicht kapiert, deutet damit natürlich auch an, dass er selbst noch unwissend ist mit Blick auf seine Ahnung der Kreuzigung. Das ist klar, er sieht sie, als Potential, er hat lange genug darüber meditiert in den Jahren zuvor, er hat sich auch verabschiedet, von den Seen und Flüssen, weil er die Auferstehung, als Erfahrung einer ganz anderen Körperlichkeit ja selbst noch nicht erlebt gehabt hat.
Wir selber sind in Prozessen derzeit, die auf eine innige Weise etwas ähnliches erleben, so subtil, dass es für viele kaum erkennbar ist und trotzdem wahr. Die kleine Kammer der Grabhöhle in einem Felsen am Stadtrand Jerusalems, das Abgeschieden-Sein, wie in einem Keller, die Stille im Inneren des Felsens, ist spürbar und lebendig in jeder Zelle. Das Wort Zelle stammt übrigens vom Lateinischen cella, was ursprünglich auch bedeutet Keller oder kleine Kammer
Wir brauchen uns hierfür nicht mehr an ein Kreuz nageln lassen.

„Will mir jemand nachfolgen, der nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach", steht ein paar Sätze weiter im Matthäusevangelium im Vers 24. Es bedeutet nicht mehr sich eine Last aufzuladen und zu leiden, sondern etwas zu verinnerlichen und darauf aufzubauen, das Kreuzchen, mit dem ich mich selbst wähle, wie einen Grund, ganz Substanz, das Fundament des Felsens, der ausstrahlt und empfängt, wie das Pentagramm, oder der Stern der Windrose; es bedeutet entsprechend alles in sich anzunehmen, jede Lust, jede Regung, jede Geste; sich in Ruhe zu beobachten bei alldem und sich herzlich erfreuen am Neuaufbau, am Einfühlen in die Liebe und Macht des eigenen Selbst, am ICH und seiner Liebesmacht. So folge ich mir Schritt um Schritt nach, sprich meiner Seelenführung und erfahre das Ganz-Sein im Licht des Aufgangs meiner inneren Sonne, im Liebesraum. 


So zeigt sich die Kirche aus dem Felsensatz entsprechend als mein Herz, das Ballungszentrum, bewegt im ständig pulsierenden Rhythmus des Universums, das Vaterherz, das Ingrid Raßelenberg, als Geschenk des Patriarchats erkannt hat.
So klingt es auch in den französischen Wörtern für Herz und Vater, nämlich cœur und pere, ein Körper, der seine Basis in seiner göttlichen Genetik findet, zart und massiv, weich und fest, bewegt und ruhig, trocken und nass, Innen und Außen, hell und dunkel, süß und sauer und salzig; und dem in Zeiten des Wandels einzuleuchten beginnt, dass er selbst ein Teil des Wandels ist, ein Wandelwesen, an dem Wellen sich brechen können, wie an einer Felswand, einem Fels in der Brandung, der Wellen empfängt und ausstrahlt und so selbst erzeugt.

 

Im Wendebereich, wenn die Welle ausläuft und an ihr Ende kommt, ist, so erklärt es die klassiche Wellentheorie, das letzte Atom der Welle unbewegt; das Atmen wird ganz ruhig und mit dem Atmen, so fühlt es sich an, verändert sich sogar die Luft selbst, wie ein Filtersystem, kein maschinelles, sondern ganz natürlich, man atmet Frische ein, die immer schon da ist, der Duft der anderen Zeit, die immer schon da ist und wirksam.

Es gibt Momente, in denen es sich anfühlt, als atmete ich gar nicht mehr, nicht wie beim Tauchen, wo ich weiß, dass ich wieder atmen werde, sondern so, als verinnerlich das Atmungssystem selbst diese Frische, Luft, nicht bloß Sauerstoff, der mich versorgt, sondern Luft mit und in der ich mich bewege, wie in einem energetischen Fluss, der mich durchdringt im Rhythmus der Wellen, wie die Wellen in einem See, wenn man einen kleinen Stein hineinwirft.

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Meine Mutter töpfert gerne. Mein Vater und sie haben ein kleines Atelier. In einer Ecke steht der Töpferofen, der aussieht wie eine Pauke, und in der Mitte gibt's einen großen Tisch und am Fenster eine große Staffelei. Beginnt meine Mutter ein kleines Töpferwerk, schneidet sie erst eine Masse von einem groben Klumpen ab. Dann knetet sie, knallt den Teig auf eine Platte, pammpamm, pammpammpamm, pamm! Damit der Ton fest und dicht wird.
Dann geht sie an den Feinschliff, ans Modellieren. Sie taucht dazu immer wieder ihre Hand in Wasser und klopft sanft gegen den Ton oder streichelt über ihn. Dadurch wird der Ton weich und formbar. Manchmal kratzt sie kleine Muster mit einem Spatel hinein. Es entstehen feine Spuren und Veränderungen in der Masse, die mit der Zeit sichtbar werden. Die Haut ihrer Hände gleicht sich dabei immer mehr der Farbe des Tons an. Dann kommt das fertige Stück in den Ofen und wird gebacken bei ungefähr 900°C.

Beobachte ich meine Mutter bei dieser Arbeit, ist es ein Abgleich für die durchdringende Schöpfermacht, die ein Mensch ist, die ich selbst bin, wo sich alle göttlich-geistigen Informationen in eine Erscheinung hineinformen, wie die sprudelnde Schale einer Quelle, das Werk einer Töpfermeisterin, ganz eigen, ganz eigentümlich, im Eigentum, und ganz selbstständig, weil wir ständig dieses göttliche Selbst sind.

Und wenn der Ton fertig gebacken ist?
Dann ist es, wie in der Musik, ein Genuss, und irgendwann klingt der Ton aus und die Freude bleibt und Stille und ein neues Werk beginnt.
Das ist schön! Ein AHA-Erlebnis. So kann ich mich sogar freuen in mir, wenn ich irgendwo ein Schild hängen sehe, auf dem die Silhouette eines Coronavirus abgebildet ist, über dem steht: „Bitte, die AHA-Regeln befolgen!“

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Wir haben erkannt, das Christusbewusstsein hat die Kreuzigung hinter sich und Christus ist nichts Vereinzeltes, sondern etwas Gemeinsames in absoluter Weite und frei und die Einzelnen sprechen es aus und verkünden es, wenn sie etwas sagen, in einer Geste, einem Blick, wenn sie einfach da sind, für sich, ein Mensch, wie ein Wort, wie ein Buchstabe, der sich ausspricht und dafür nicht mal die Lippen öffnen muss, wie der 13. Buchstabe im Alphabet: M – M, wie Ma, wie Macht, wie Maria, wie Masse, wie Materie, wie Magnet, das M, im Hebräischen Alphabet Mem: das Wasser.
Und es fließt, lässt die Dinge sich selbst ordnen, im eigenen Rhythmus, zur eigenen Zeit, ein Rhythmus; wie Einatmen und wie Ausatmen und wie die Atemwende, in der das Schwingen der eigenen Flügel hörbar wird, vielleicht, als Melodie, als Plätschern, und immer deutlicher: Das Kennenlernen der neuen Farben der eigenen Flügel.
So ist alles da, und nichts bleibt über, kein Fitzelchen.

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Mögen solche Gedanken abgehoben scheinen, es ist kosmische Natur, und die Erde selbst befindet sich auf einer Art Flugreise, wie ein Schiff, wandernd in einem Fluss aus Luft und Wasser, wie in einer wachsenden Spirale, die ich innig in mir spüren kann und auch beobachten, wenn ich etwa in der Wanne oder im See meine Hand im Wasser kreisen lasse.

Wir fliegen sozusagen und wurzeln gleichsam in der Sphäre der Erde, die manchmal Atmosphäre genannt wird (atmo griechisch für Dunst). Und jetzt lichtet sich der Dunst und Klarheit (griechisch: safina) und neue Farben, neue Gedanken, neue Einsichten offenbaren sich, etwas ganz Neues im Menschen, eine Fülle, in dem, was hier ist, wie schön!

Das Dunkle ist in diesem Bewusstsein, genauso wenig das Böse, wie Licht, das Gute ist. Die Finsternis ist einfach der unendlich weite Hintergrund für das, was sich freudvoll ausdrückt, in kleinen Dingen schon, die Freude über den eigenen Atem, den Herzschlag, das Kribbeln auf der Haut, einfach daliegen und ausruhen am Abend, vielleicht den Kopf in die Hand gekuschelt, göttlich und gemütlich.
So wie im Wort Finsternis das Wort Stern herausleuchtet. Ich bin das Licht der Welt, und die Herrin der Finsternis. Darum gehe ich auch nicht in irgendein Licht, das außerhalb ist von mir. Ich vertraue meinem Heil-Sein, der Führungsmacht meiner Seele, und gehe in mich, in den Stoff, ins Feste, in die Finsternis, dann sehe und fühle ich’s, leuchtend, still, gewaltig und zart.

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So wirkt diese Phase des Höhepunkts inmitten der Welle des Wandels, genauso, wie ein Tiefpunkt. Wie in der Zeichnung, die ich folgend erläutere, wo die Wellen im Wendebereich sich ins Gegenteil kehren. Der Eindruck, dass Gewohntes, Vertrautes vor die Wand fährt, wird so ganz verständlich. Nur dass es nicht das Ende ist, kein Licht am Ende des Tunnels, nicht mal eine Katastrophe, sondern ich selbst bin ein wirkmächtiger Teil, als Ende, als ein Punkt am Ende des letzten Satzes eines Buchs; als Neubeginn, so ganz neu.
Die Erfahrung einer Wand zeigt sich einfach als Wendebereich vom Alten ins Neue. Es macht die Wand durchschaubar, das Glück des Abhängens, des sich Einmummelns unter eine Decke, des sich Ausbreitens, auf der Couch zum Beispiel, mitten rein in die Gemütlichkeit des eigenen göttlichen Liebesraums, ein Moment der Unbewegtheit, der Stille, der nichts lässt, wie es einmal war.

 

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Ich probiere eine Metapher aus der physikalischen Wellenlehre am Beispiel der Kreuzigung:

Wenn ich eine Welle mit festem Ende aufzeichne, brauch es eine Horizontale, zum Beispiel die X-Achse, und eine Vertikale, die Y-Achse. Zusammen bilden sie ein Kreuz.
Bis zum Auftauchen des Christu
swesens hat sich das menschliche Bewusstsein über die X-Achse entwickelt. Es erinnert an das Symbol von Medizinern und Apothekern, das Stäbchen mit der Aeskulap-Natter, nur eben horizontal, umgekippt:

 

 

 

Die Y-Achse, als Verbindung zum Göttlichen war angelegt, jedoch noch nicht voll bewusst. Darum habe ich sie erstmal nicht aufgemalt. So fühlt es sich, mit Blick auf die Welle, wie eine Trennung an, aus der sich das Leben durch sich ausschließende Spannungen entwickelt, durch Höhe- und Tiefpunkte, Gutes und Böses, Leben und Sterben, krank und gesund, Schöpfer und Opfer zum Beispiel.

Über diese Spannungsdynamik hat sich Leben entwickelt. Mit dem Christuswesen hat sich dann leibhaftig die Y-Achse angelegt, ein Kreuz, als einende Verbindung von Himmel und Erde, von Gott und Mensch, von Vater und Sohn, und mit den Worten am Kreuz selbst, auf eine andere Weise, wie wir später sehen werden, von Mutter und Tochter.

 

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Um eine Welle mit einer Ausbreitungsrichtung von links nach rechts auf ein Papier zu zeichnen, das heißt, sich der Gegenwart der Welle mit ihren Amplituden, ihren Höhen und Tiefen, ihren Bergen und Tälern bewusst zu werden, sprich eine 3-D-Bewusstseindimension auszugestalten und zu erfahren, brauchte es das Kreuz, um bis zum Äußersten zu gehen und die Kreuzigung und Auferstehung, als Wendebereich aufzuzeigen, wo etwas zu Ende geht und etwas neues Beginn, im Grunde, wie bei der Atemwende.

Wenn eine Welle gegen eine Wand prallt, gegen ein festes Ende; wenn also etwas zu Ende ist, ein Zyklus, ein Wegstück, dann kann sich, laut der Wellenlehre in der Physik, das letzte Atom dieser Welle nicht mehr bewegen. In den Momenten kommt es zum Stillstand, in dem sich alles, was bisher war, nicht auslöscht, sondern in diesem Wendebereich eine komplett gegenläufige Welle erzeugt. Die Reflexion der Welle ist demnach wie die Ursprungswelle, nur um 180° verschoben. So wird die Ursprungswelle jetzt als Spirale erkennbar. Das nacheinander von Höhepunkten und Tiefpunkten zeigt sich jetzt als körperbildende Information und birgt die Einsicht in die Spaltungsdynamik als gleichsam einende Kraft im eigenen Wesenskern..

Wie im Bild sichtbar, hat die Reflexion der vorherigen Welle diese nicht ausgelöscht. Sie entwickelt sich aus ihr.
In ihrer Form, wie in der Grafik, erinnert sie so an ein DNA-Molekül mit spiralförmiger Helix. Die Koordinatenachsen, die das Kreuz in der Grafik bilden und zurückgehen auf das cartesische Koordinatensystem des 17 Jahrhunderts, heißen somit genauso, wie die X- bzw. Y-Chromosomen, als Träger der DNA.
Somit wird das Kreuz innen sichtbar, nicht mehr als Schmerz - Das ist vorbei! -, sondern als erfülltes Herz, das sich plötzlich so ganz anders anfühlt, weil jetzt bewusst wird, dass sein Rhythmus durch die leuchtende, liebende und lebendige Kraft des Universums selbst bewegt ist.
Somit finden wir hier auch einen Hinweis auf die göttliche Genetik, das Erbe, das jeden Menschen in Hülle und Fülle formt.
Auch, dass sich hierbei, wie in der Grafik sichtbar, wieder der 13. Buchstabe des Alphabets, als M, wie männlich, und der 23. Buchstabe, das W, wie weiblich, begegnen, wie zwei Fischen, in deren Mitte, wo ihr Atem, ihre Worte sich berühren, etwas Neues entsteht, das aussieht wie eine Sonne, oder ein Ei, ein Osterei!
Übrigens, wieder so ein beglückendes, wirksames Wort mit Blick auf die Wortherkunft der Silbe 
„-sol“, stammend vom lateinischen solutio: Lösung. Und im Spanischen heißt sol, Sonne, und sol im Französischen widerum: Erde. Auch das Englische soul für Seele leitet sich vom Wortzweig sol ab.
 

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Jedes Jahr, jeder Tag im Kalender baute auf das Ereignis der Geburt von Jesus Christus auf. Alle Tränen, alle Schmerzen, alle Nöte und Sorgen, die sich aus dieser Ursprungsgeschichte ergaben, dienten letztlich auch dem Wachstum und dem Durchbruch dieser Saat, die damals gelegt wurde, sodass wir jetzt informiert durch die Jahreszahl 21 im 21. Jahrhunderts im Energiefeld stehen, wo sich das Christuswesen nicht mehr mit einer Außenmacht identifiziert am Kreuz im Außen fixiert, sondern sich innig und körperlich bis in jedes Haar und jeden Pups und jeden Pickel verwirklicht.

„Es ist vollbracht“, sagt Jesus am Ende.
Damals vergingen, laut Bericht, drei Tage, angeblich ganz finster, auch tagsüber, wie ein Stillstand, nichts bewegt sich mehr. Und jetzt, jetzt sind es vielleicht Jahre, zum Beispiel 2019, 2020, 2021. Und jetzt der Schritt raus aus der Grabhöhle, wie aus einer Gebärmutter, ganz langsam, ein erster Blick, ein erster Schritt, ein erstes Wort: „Grüß Dich!“

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Nun erkenne ich mich ganz Selbst, als wirkungsmächtigen Teil in der Schöpfungsgeschichte und weiß etwas über die Wellen und den Wandel und wie schön es ist, da zu sein und zu wirken, all das in mir zu fühlen.
Denn das Kreuz ist lebendig im Bewusstsein nicht bloß abstrakt, sondern massig, im kleinsten Teilchen und Atom.
So wie alle Materie im Universum aus Atomen besteht, die alle bislang bekannten Elemente bilden. Durch chemische Reaktion können sich etwa mehrere Atome verbinden zu Molekülen. Die Möglichkeiten zum Aufbau von Molekülen aus allen 26 im menschlichen Körper vorkommenden Elementen sind geradezu unbegrenzt.

Die 26 weist hier nochmal auf die Welle, als Doppelspirale hin. Denn die Zahl 26 konstruiert in der Ontologischen Mathematik über die zweifache spiraldynamische 13-Energie unter anderem die Doppelspirale mit ihrer gegenläufigen Gegensatzstruktur. Se bewirkt „die Kraft des Übergangs zwischen trennender Egozentrik (3-D-Bewusstseinsprägung) und verbindlichem Ganzheitsbewusstsein.“

Das bedeutet, dass die Reflexion einer Welle nicht alleine ihr Gegenteil ist, sondern durch gemachte Erfahrung und Erkenntnis wird das, was vorher linear verlief, einmal in die Höhe, dann in die Tiefe, zu „im Himmel, wie auf Erden“, Göttliches Ich und Menschliches Ich sind eins, identisch und individuell. Das löst alte Orientierungsfixationen, alte Maßstäbe und alte Konzepte auf. Es löst sich von selbst und ich kann es beobachten und mich weiter verfeinern, während ich hineinwachse in meine eigene neue Welt.

 

Eine körperliche Entsprechung hierzu ist beispielsweise das Phänomen des Gesichtsfeldes beim Sehen. Beide Augen sehen, laut Medizin, im Außen etwas mehr als 180°. Jetzt ist es sehr interessant, zu erleben, dass sich das Sehen im Wandel des Wellenfelds völlig verändert und erweitert – von Außen nach Innen und wieder nach Außen, also um mehr als 360° (vgl. hierzu auch die Zahl Pi), eine Spirale, die die erfüllende Einsicht inspiriert, das Fühlen und das Denken, das Tun und den Genuss.

 

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Mag das Kreuz auch noch an Straßenecken, in Klassenzimmern, Verwaltungen und Kirchen oder wo auch immer an den Wänden hängen. So wie die Kreuzigung ist auch die Kreuzabnahme bereits geschehen. Das innige Kreuz ist, wie wir gesehen haben, hochenergetische Schöpfungspotenz, die sich in einem vorübergehenden Körper verwirklicht, ein Kreuz, das nicht mal mit dem stärksten Mikroskop zu sehen ist, doch wenn wir uns aufrichten, auf eigenen Beinen stehen und die Arme ausstrecken, wie ein Segelboot, wissen wir, was gemeint ist.
Dann leuchtet das Kreuz als Zeichen des Menschensohnes am Ereignishorizont des inneren Himmels, ein Stern in der Finsternis, das Licht der Seele, als Leuchten der Zelle; der Körper selbst, der sich jetzt in all seinen Funktionen neu ordnet. Das ist eine Herausforderung für uns selbst, womöglich eine Provokation für andere. Sie fordert die Sensibilität heraus, verfeinert sie, um sich der eigenen göttlichen Leuchtkraft bewusst zu werden, in Ruhe mit aller Kraft und mit Weisheit in der Stille.
Das große, schwere Kreuz, das ich trug, ist das Kreuz, das mich trägt, wie ein Fundament für ein schönes Haus, der Felsen. Kein Weg des Leids mehr, auch keine Abhängigkeit mehr von Außenmächte, sondern die Einsicht in einen Weg des Lights. Ich kann weinen und brüllen, bin aber kein Leidwesen mehr für mich oder andere, sondern ein eigenmächtiges Lightwesen, das im Dunkeln leuchtet, das Dunkle, als der Background meiner Erscheinung, grenzenlos und frei, das Dunkle, wie eine Quelle im Fels, aus der Erkenntnisse einfließen, Zahlen, die mich meiner Macht bewusst machen, die Dunkelheit der inneren Sonne, schwarz, als weitere Farbe der Liebe, frei nach dem Motto: „Black live matters!“

 

Die Zelle ist in diesem Zusammenhang auch als Teekesselchen interessant. Denn in eine Zelle im Außen ging Jesus ja auch, als er ein paar Stunden im Jerusalemer Gefängnis saß bevor er das Kreuz ein Stückchen weiter auf die Schädelhöhe schleppte. Und dann, nach ein paar Stunden, sein letzter Satz: „Es ist vollbracht!“
Und dann, nach drei Tagen, die stille Freude, in einem einfachen, ganz natürlichen Gruß, kein Mysterium, kein Wunder, die Auferstehung, die Natur der Sache, das Glück der Zellen: „Seid gegrüßt!“

 

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Noch eine Wahrnehmung in diesem Osteressay möchte ich abschließend erzählen. Es ist wahr für mich und etwas, dass mich manchmal herrlich und heilig zornig – Raaaaarrrhhhh! - und traurig sein lässt – Huouhouuuuhuooo!

Seit meiner Kindheit, und da noch bevor ich richtig mitbekommen habe, was die Erwachsenen um mich sich egal in welcher Sprache erzählten, ist das Jesuskind in der Krippe oder auf dem Arm einer Madonna für mich auch das Kind von Jesus, das Jesuskind, als Genitiv. Maria ist immer auch noch eine weitere Maria, die diesen Namenstitel hatte, nämlich, die die Jesus sehr lieb hatte, Maria aus Magdala am See Genezareth. Und Josef aus der Krippenszene, das ist auch ein weiterer Josef, nämlich Josef von Arimathäa, der an der Seite von Maria Magdalena war, als sie das Kind ein paar Wochen nach der Kreuzigung in die Welt brachte.
Die Tür zum Wohnzimmer war am Weihnachtstag immer abgeschlossen vom Christkind beziehungsweise meinen Eltern. Ich schaute also durchs Schlüsselloch in die Dunkelheit des Zimmers und meinte, sie da liegen zu sehen auf der kleinen, dunkelbraunen Couch, ein Kind, ein Mädchen, mit einem roten Mantel, die Tochter.

Darum war und ist meine Wahrheit, losgelöst von irgendwelchen historischen Artefakten und Theorien und Romanen, ohne Recht haben zu brauchen, einfach nur erzählen, dass Jesus und Maria Magdalena sich sehr liebten und eine Tochter hatten und die hatte dann auch wieder Kinder.

Zur Veranschaulichung, eine Stelle aus dem Johannesevangelium, die Kreuzigungsszene im 19. Kapitel, Verse 26 und 27:

„Als nun Jesus seine Mutter sah und den Jünger dabeistehen, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Darauf spricht er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.“

Über den Jünger, „den er lieb hatte“, wird bis heute viel spekuliert, für mich ist es klar Maria Magdalena. Levi, ein anderer Jünger, sagt diesen Satz auch über Maria Magdalena, als sie den Männern von der Auferstehung berichtet, nämlich im Evangelium nach Maria, im Kapitel: Reaktionen der Jünger auf die Offenbarungsrede Marias.

Wenn Jesus Christus kurz vor dem krönenden Ende seines Erdenlebens zu Maria Magdalena sagt, „siehe, deine Mutter“, vervollständigt er damit auch die heilige Familie. Der Name des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, mit dem sich Christen heute noch bekreuzigen, baut auf der drei auf. Wer hier nicht auftaucht, ist die Tochter. Doch mit dem Spruch von Jesus an Maria Magdalena, „Frau, siehe, Deine Mutter“, kündigt sie sich selbst durch ihren Vater an. Das ermöglicht auch mit Blick auf Reinkarnationsprozesse die Überlegung, dass Jesus, als Sohn, selbst seine eigene Tochter ist, was aus geistseelischer Perspektive kein Widerspruch zum Auferstehen ist. Das wäre es nur für die Wahrnehmung, die allein aus der 3-dimensionalen Perspektive schaut.

So geht es also von der Drei in die Vier, „zwischen 3 und 4 ist die Krise“ (C. G. Jung), und die Tochter vollendet die Idee von heiliger Vierheit, von heiliger Familie, als innerer Wirkmacht, und damit auch als eine bislang nicht so weit verbreitete Bedeutung, die das Kreuz birgt.

Etymologisch ist an dieser Stelle interessant, zu sehen, dass das Wort Sohn vom Indoeuropäischen seu stammt, was Geburt geben, fortpflanzen bedeutet, Tochter, hat als einen Ursprung das mittelhochdeutsche tohter, in dem sich auch das Wort tot findet. Und im Lateinischen heißt Tochter, als Substantiv, nata, als lateinisches Adjektiv heißt nata, geboren. Eine weitere Form dieses Adjektivs ist auch natas, ein Wort, das sich gespiegelt als Satan bedeutet. Auch hier ist wieder die neue Welle aktiv, die nicht das eine oder andere ausschließt, sondern die Gegensätze eint.

 

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So lese ich den Satz, „siehe, Deine Mutter“, auch so, als würde das Göttliche durch Jesus, die Seele der ungeborenen Tochter ansprechen, mit der Maria Magdalena während der Kreuzigung schwanger ist. Das schließt natürlich mit ein, dass Jesus und Maria eine und mehrere schöne Nächte voller Liebe und Erotik und Lust erlebt haben.

Das macht diesen Satz so berührend und intim. Und wenn die Anrede von Jesus am Kreuz an seine Mutter geht: „Frau, siehe Dein Sohn!“ Dann kann es zum Beispiel auch sein, dass damit die Seele der Tochter, als Frau, angesprochen ist, und Maria, die Mutter Jesus, als der Sohn.

Ich weiß, es klingt etwas kreuz und quer, möchte aber einfach eine kleine Einsicht darein geben, dass es eigentlich ganz einfach ist und natürlich.
„Es ist vollbracht“, kreuz (+) und quer (x), Tochter und Vater und Sohn und Mutter. Wie ein Pluszeichen und ein Malzeichen, jeweils 4 Seiten bilden, und ineinander gelegt einen leuchtenden Stern bilden, die Windrose, auch Stella Maris genannt, der Kompass, in dem sich auch das Pentagramm zeigt, offen und stehend auf zwei Füßen, als Spiegelbild der eigenen göttlichen Natur:

Die Passage am Kreuz, der Satz an Maria Magdalena, ist darum auch ein Akt der Empfängnis, wie ein Samenkorn, dass Maria Magdalena, als „der Jünger von der Stunde an zu sich nahm“, als Liebende, die nach den drei Tagen, während denen Jesus alleinig in der Grabhöhle ist, gleichsam wie in einer Geburtshöhle, später im Garten auf ihren Geliebten trifft, als Mensch, dessen Bewusstsein, die kleinen, kaum wahrnehmbaren Gefühle beachtet, aus denen ein verständnisvolles Bewusstsein wächst, selbst-verständlich:

Mit dem Reich Gottes wird es sein, wie mit einem Senfkorn,
dass eine Frau nahm und in ihren Garten pflanzte.
Und es wuchs und wuchs und die Vögel ließen sich in seinen Zweigen nieder.

So ist das Ostergeschehen im 21 Jahr des 21. Jahrhunderts nicht bloß auf die 13. Kalenderwoche im April beschränkt, nicht auf einen bestimmten Tag allein, sondern ein alltägliches Eintauchen in meine heilige Masse, die Materie, eine Geburt, Weihnachten und Ostern zusammen, das Auftauchen, die Freude darüber, mitzubekommen, was passiert, die Freude über alles Neue, alles Kleine, alles Große, das Raue, das Wilde, das Schmierige in mir, das ich zartfühlend anerkenne, das Nasse, den Regen im Gesicht, das Knistern und Knacken von Kieseln und Knochen, den Schweiß auf der Nase, über den Duft von Heu und Haaren und Haut, über Dreck unter den Fingernägeln und den Speck auf den Rippen, dieser heilige Geschmack auf den Lippen, salzig, wie das Meer, duftend nach Lehm und Wolle, über das Sprudeln der Quelle, das leise Rauschen von Wasser und Blut, über das Pentagramm, und Beschäftigung mit dem eigenen fundamentalen Machtthema, wie es sich durch die Zahlen ausdrückt, in Hülle und Fülle, über die Elemente, die mich formen, ein harmonisches Gemenge aus Mulm, ein Acker mit Tau auf den Krusten, dem Besten für die Saat, und lichtsam liege ich da, auf der Couch, im Dunst der Morgendämmerung, spüre die innere Sonne aufgehen in mir, schwarz, wie die Liebe, durchlässig und dicht, wie ein Gedicht, ein Echo das an etwas erinnert, aus dem die neue Geschichte wächst, so, wie ich lausche:

Da. Es ist vollbracht

Keine Regeln, keine Schilder

Alles ist offen und dicht, der Felsen, mein Fleisch

das Abenteuer zwischen den Schwingen der Flügel

das Herz, die Wellen, die Wellen und das Herz

Da. Das Lächeln der in ihrer Unbewegtheit allmächtigen Masse

Grüß Dich

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